Körpersprache bei der Teamarbeit: So wirken Sie auf andere

Ob bei der täglichen Büroarbeit, in Meetings, während persönlicher Gespräche oder bei gemeinsamen Aktivitäten – viele Menschen begehen in all diesen Situationen gravierende Fehler. Und sie bemerken es nicht einmal!

 

Oftmals versenden wir mit unserem Körper Signale an unser Gegenüber, ohne uns dessen tatsächlich bewusst zu sein. Sei es ein versehentliches Augenrollen, verschränkte Arme aus Gewohnheit oder nervöses Scharren mit dem Fuß. Genau diese kleinen Details, die uns oftmals völlig gedankenlos unterlaufen, können den Verlauf und das Resultat einer Interaktion mit einer anderen Person maßgeblich beeinflussen. Denn neben den Dingen, die wir sagen, vermitteln wir mit unserem Körper eine weitere, subtile Botschaft. Eine Botschaft, die nicht selten unsere wahren Gefühle oder Gedanken verrät.

 

Deshalb ist die Körpersprache für das private wie berufliche Leben enorm wichtig. Sie bestimmt, was wir ausstrahlen und wie wir auf unsere Mitmenschen wirken. Wenn zum Beispiel eine Person mündlich Begeisterung ausdrückt, aber körperlich in Abwehrhaltung verharrt, so vermittelt sie gegenüber dem Gesprächspartner einen Kontrast, der kein Vertrauen weckt. Die Princeton University hat in Studien sogar beweisen können, dass wir uns zur Identifizierung von Emotionen noch stärker auf die Körpersprache verlassen, als auf die Mimik.

 

Um also einen Einfluss auf die eigene Wirkung auf andere zu haben und sicherzustellen, dass man nicht aus Versehen falsche Botschaften sendet, sollte man sich im Lesen, im gezielten Senden und auch im Deuten von Körpersprache üben. Diese Fähigkeiten bringen gerade im beruflichen Leben entscheidende Vorteile. Menschen, die die Kunst der Körpersprache beherrschen, können zum Beispiel in schwierigen Situationen mit einem emotionslosen Pokerface die Ruhe bewahren oder durch taktvolle Bewegungen bei einem Diskurs alle in ihren Bann ziehen.

 

Die Teamarbeit ist ein weiteres Feld, in dem die Anwendung der richtigen Körpersprache besonders wichtig ist. Bei dem gemeinsamen Streben nach einem Ziel stehen Faktoren wie Vertrauen, Kommunikation und Interaktion im Mittelpunkt. Ein Team kann nur so erfolgreich und effektiv sein, wie seine einzelnen Mitglieder miteinander harmonieren und funktionieren. Es ist daher von entscheidendem Vorteil, wenn sich Ihre Teammitglieder ihrer Außenwirkung auf andere bewusst sind und dazu in der Lage sind, die Körpersprache anderer zu deuten. Auf diese Weise kann das vertrauensvolle Miteinander gestärkt werden und das Zusammenarbeiten wird massiv gefördert.

 

Was versteht man unter Körpersprache?   

Wenn es um Körpersprache geht, sollten Sie nie vergessen, dass die Körpersprache lediglich eines ist: Auslegungssache.  

Fest steht, die Körpersprache ist eine Form der nonverbalen Kommunikation. Auch wenn Ihre Interpretation von Mensch zu Mensch sowie innerhalb verschiedener Erdteile variiert, gibt es dennoch innerhalb der jeweiligen Kulturkreise ein allgemeines Verständnis über ihre Bedeutung. Bestimmte Bewegungen, Haltungen oder Gesichtsausdrücke werden automatisch mit spezifischen Emotionen verknüpft – selbst wenn dies gar nicht intentioniert war.

Haben Sie schon einmal jemandem im Gespräch gegenüber gesessen, der sowohl Arme als auch Beine verschränkt hatte und dadurch verschlossen oder desinteressiert wirkte? Nun, was wäre, wenn diese Person einfach gern auf diese Weise dasitzt, weil es so bequemer ist?

Laut Dr. Albert Mehrabian, einem führenden Forscher auf dem Gebiet der nonverbalen Kommunikation, macht unsere Körpersprache 55% all jener Nachrichten aus, die wir kommunizieren. Das heißt, wir teilen mit unserem Körper mehr mit, als mit unseren Worten. Hinzu kommt, dass die Körpersprache in der Regel unterbewusst erfolgt und schwerer zu beherrschen ist, als verbale Aussagen. Deshalb wird sie oftmals als ehrlicher empfunden.  

Wenn Sie nun oben genanntes Beispiel überdenken, so hätte die Person von Ihnen sicherlich mehr Vertrauen erhalten, wenn sie in einer aufgeschlossenen Position dagesessen wäre. Im Arbeitsalltag begegnen wir einer Vielzahl solcher Situationen, die zu Missverständnissen und Unwohlsein führen können. Wie würden Sie zum Beispiel die folgenden vier Situationen bewerten?

  • Sie bitten einen Mitarbeiter oder Kollegen um Mithilfe bei einem Projekt. Dieser antwortet mit “Ja natürlich, mache ich doch gern!”, allerdings mit einem ernsten, gestressten Gesichtsausdruck.
  • Ihr Vorgesetzter möchte mit Ihnen über den Erfolg Ihres letzten Projekts sprechen und erwartet Sie in seinem Büro mit unfreundlichem Gesicht und verschränkten Armen.
  • Sie geben einem Teamkameraden Anweisungen für eine wichtige Aufgabe, doch der sieht sie nicht an und wirkt in seinen Bewegungen nervös.
  • Nachdem Sie einem Mitarbeiter oder Kollegen konstruktive Kritik für sein Projekt gegeben haben und dieser sich freundlich bedankt hat, knallt er mit der Bürotür auf dem Weg hinaus.

Welche nonverbalen Informationen würden Sie aus den Reaktionen der Personen ziehen? Wie beeinflussen Sie die Bedeutung der Situation?

Sie sehen, die Körpersprache hat in der menschlichen Interaktion einen extrem hohen Stellenwert, weshalb es für ein erfolgreiches Zusammenarbeiten im Team essentiell ist, sie zu beherrschen. Denn nur so können Sie

  1. Vermeiden, falsche Signale an Ihre Gesprächspartner zu senden;
  2. Ihren Gesprächspartnern die richtigen/gewünschten Signale mitteilen;
  3. Die Signale Ihre Gegenübers korrekt deuten;
  4. Ihre Menschenkenntnis verbessern;
  5. Aktiv den Ausgang von Interaktionen positiv beeinflussen.

 

Kontrolle der Körpersprache

Um die eigene Körpersprache kontrollieren zu können, sollten Sie sich zunächst vergegenwärtigen, welche Teile Ihres Körpers dazu beitragen. Denn das sind durchaus mehr, als Sie vielleicht vermuten: Ihre Augen, Augenbrauen, Mund, Nase, Hände, Arme, Beine, Füße, Rücken – sie alle ergeben ein Gesamtbild.

Gern wird das Zusammenspiel all dieser Körperteile in drei Aspekten zusammengefasst, die die nonverbale Kommunikation gestalten: Mimik, Gestik und Körperhaltung.

Die Mimik umfasst all die Gefühlsregungen, die man an unserem Gesicht ablesen kann. Im Hauptfokus liegen dabei unsere Augen und der Mund, da diese Partien die beweglichsten sind. Auch wenn die Interpretation der Gesichtszüge stets subjektiv ist, liegt man damit in der Regel instinktiv richtig. Aus diesem Grund verrät die Mimik von allen Aspekten der Körperhaltung am meisten unsere Gedanken.

Der Einsatz von Mimik in Gesprächen und anderen Interaktionen kann zum Beispiel durch Selbstbeobachtung und Übungen vor dem Spiegel trainiert und verbessert werden. Jedoch ist davon abzuraten, die eigenen Gesichtszüge zu stark zu kontrollieren, da dies schnell einen aufgesetzten, unnatürlichen Eindruck erzeugt. Weniger und natürlich ist an dieser Stelle mehr!     

Die Gestik ist die Gesamtheit all der Dinge, die wir mit Hilfe unserer Gliedmaßen wie zum Beispiel Hände oder Füße kommunizieren. Gesten sind stark durch kulturelle Einflüsse geprägt. Während es in Nord- und Mitteleuropa zu einem eher zweckmäßigen Einsatz kommt, sind Südländer oder Asiaten beispielsweise stärker daran gewöhnt, Emotionen über Gesten auszudrücken. Denken Sie zum Beispiel an energische Handbewegungen der Italiener bei Fußballspielen oder das geschmeidige Kopfschütteln von Indern, wenn sie Zuneigung ausdrücken.

Der Gebrauch der richtigen Gestik zur bildhaften Darstellung und Betonung von Erzähltem sowie zum Unterstreichen wichtiger Botschaften ist für die Kommunikation essentiell. Deshalb sollten Sie sich ausgiebig mit der Bedeutung bestimmter Gesten und Bewegungen in Ihrem gegenwärtigen Kulturkreis vertraut machen und möglichst negativ konnotierte Gesten vermeiden.       

Die Körperhaltung ist ein sehr bedeutender Aspekt unserer Körpersprache. Sie bestimmt unsere Wirkung auf andere und betont das von uns Kommunizierte. Häufig werden gewisse Haltungen sogar mit Charakterzügen assoziiert. So gilt aufrechtes Gehen und Stehen zum Beispiel als souverän und kompetent, während eine gekrümmte Haltung als Schwäche ausgelegt wird.  

Um eine positive Ausstrahlung auf Ihre Mitmenschen zu haben, sollten Sie also auch auf Ihre Körperhaltung achten. Der erste Schritt dafür ist ein Bewusstsein über die eigene Außenwirkung. Übungen vor dem Spiegel wirken dabei wahre Wunder! Trainieren Sie eine offene, aufrechte Körperhaltung, ohne dabei steif oder unnatürlich zu wirken und Sie werden sehen, wie Sie plötzlich anders wahrgenommen werden.

Um eine möglichst richtige Deutung der Körpersprache eines Gegenübers zu ermöglichen, sollten Mimik, Gestik und Körperhaltung niemals isoliert, sondern immer im Zusammenspiel betrachtet werden. Erst dieser Gesamteindruck ermöglicht es Ihnen, einen Einblick in die Gedanken- und Gefühlswelt der anderen Person zu erhalten. Und vice versa können Sie so erkennen, ob man Ihren Worten die gewünschte Beachtung schenkt.

Gerade bei der Arbeit im Team, egal ob als Teamleiter oder Mitglied, spielt das Beherrschen der Körpersprache eine wichtige Rolle. Sie müssen lernen, die Körpersprache Ihrer Teamkollegen zu interpretieren. Das bedeutet, Sie müssen nicht nur das Gesprochene wahrnehmen, sondern auch die nonverbal gesandte Nachricht richtig einordnen. Ebenso sollten Sie mit Ihrem eigenen Verhalten dazu beitragen, dass Ihre Körpersprache ein vertrauensvolles, positives Ambiente für die Zusammenarbeit schafft.

Damit Ihnen dies in Zukunft leichter fällt, haben wir für Sie einige Beispiele negativer Körpersprache und ihrer Bedeutung zusammengestellt:

 

Negative Körpersprache bei der Teamarbeit

 

 

  • Verschränken der Arme, Beine oder Füße

 

Diese Position des Körpers ist die wohl bekannteste unter den “No-Go”-Haltungen. Denn wer sich physisch seinem Gegenüber verschränkt, dem unterstellt man schnell im Geiste auch eine mentale Barriere. Gekreuzte Arme oder Beine werden daher schnell als Desinteresse oder Ablehnung gewertet. Obwohl diese Haltung von vielen bevorzugt wird, weil sie nachweislich das Nachdenken in schwierigen Situationen fördern kann. Wenn Sie also Ihren Teammitgliedern Interesse an deren Gedanken kommunizieren möchten, so sollten Sie auch auf eine offene Körpersprache ohne Barrieren in Form von verschränkten Gliedmaßen achten.

 

 

  • Augenkontakt vermeiden

 

Die Augen sind bekanntlich der Spiegel zur Seele. Entsprechend verdächtig ist es, wenn Sie Ihren Kollegen diesen Einblick nicht gewähren, selbst wenn es aus Versehen ist. Hinter fehlendem Blickkontakt vermutet man deshalb oft Schwäche oder gar schlechte Intentionen.

Achten Sie darauf, bei Gesprächen aktiv den Augenkontakt mit Ihrem Gegenüber zu suchen. Halten Sie selbst in unangenehmen Situationen Blicken stand und lehnen Sie sich bei Gruppensitzungen in die Runde statt nach hinten, um allen Sprechern in die Augen sehen zu können. So zeigen Sie wahre Stärke und schenken Ihren Mitarbeitern das Gefühl, ganz bei ihnen zu sein. Übertreiben Sie es aber nicht, um nicht zu dominant zu wirken. Studien haben ergeben, dass ein optimales Maß für den Blickkontakt etwa 60% der Gesprächszeit sind.

 

 

  • Verräterische Position der Füße

 

Neben unserem Gesicht gibt es einen weiteren sehr markanten Anhaltspunkt für unsere Emotionen, von dessen Bedeutung sich viele aber gar nicht bewusst sind – unsere Füße. Kein Wunder, liegt doch der Oberkörper mit dem Gesicht in einem stärkeren Fokus! Doch während ein Mensch in der Lage ist, seine Mimik zu kontrollieren, so zeigen die Füße in der Regel die Wahrheit. Und genau diese Wahrheit nehmen wir unterschwellig wahr. Unterhalten Sie sich also beispielsweise mit jemandem, der Sie zwar anlächelt, aber dessen Fuß in eine andere Richtung und nicht auf Sie zeigt, so ist das ein Zeichen, das die Person gedanklich nicht ganz bei der Konversation ist. Auch ein massives Wippen oder Zappeln der Füße kann negative Gefühle wie Nervosität verraten.   

 

 

  • Zu viel Bewegung

 

Ob bei persönlichen Gesprächen oder Gruppenmeetings, zu viel Bewegung wird schnell als Zeichen von Nervosität, Unsicherheit und Unruhe interpretiert. Darunter fallen Gewohnheiten wie zu schnelle Hand- und Fußbewegungen, das Kauen von Fingernägeln, das Spielen mit den Haaren oder anderen Gegenständen. Auch das Zupfen am Ohr, das Reiben über Stirn und Augen sowie das Kratzen im Nacken gehört dazu. Verstehen Sie es nicht falsch: wenn es kurz juckt, muss man dem nachgehen. Aber eine dauerhaftes kombiniertes Auftreten solcher Bewegungen wecken bei Ihrem Gegenüber keinen positiven Eindruck.

 

 

  • Hände in den Taschen

 

Diese Frage beschäftigt uns vor allem, wenn es um Situationen wie Präsentationen oder wichtige Gespräche geht: Wohin nur mit den Händen? Generell gilt, dass offene Handflächen Aufrichtigkeit und Offenheit signalisieren, wohingegen die geschlossene Hand oder geballte Faust schnell Wut oder Frustration darstellen. Landen die Hände in den Hosentaschen, so strahlen Sie Unsicherheit und Nervosität aus. Setzen Sie sie stattdessen aktiv ein, um Gesagtes mit Gesten zu unterstützen (natürlich ohne dabei zu theatralisch zu werden). Sollten Sie jemandem zuhören, so lassen Sie die Hände offen ruhen oder halten Sie sie auf Höhe der Taille, ohne sie zu verschränken.

 

 

  • Zuwendung zu Ablenkungen und Gegenständen

 

Sind Sie ein Fan des Multitaskings und in der Lage, Ihre Emails zu checken und dennoch aufmerksam dem Team-Meeting zu folgen? Ihre Kollegen werden das sicher nicht so sehen. Wer statt zuzuhören lieber mit dem Handy, seiner Uhr oder seinem Notizblock spielt, der wirkt unaufmerksam und im schlimmsten Fall sogar ignorant. Ähnlich negativ ist der Gebrauch von Gegenständen während persönlicher Gespräche, wenn diese Dinge wie eine Art Schutzschild vor den eigenen Körper gehalten werden. Ihr Gegenüber spürt diese Abwehrhaltung schnell.   

 

Wie kann man die eigene Körpersprache verbessern?

Wie bereits zuvor angedeutet, gibt es Möglichkeiten, die eigene Wahrnehmung und Anwendung der Körpersprache zu trainieren. Hilfreich sind dabei vor allem einige grundlegende Verhaltensweisen, die in der Regel als positiv empfunden werden. So ist es beispielsweise von Vorteil, so oft wie möglich zu lächeln. Auf diese Weise strahlen Sie aus, dass es Ihnen gut geht und Sie sich wohl fühlen. Ein Gefühl, dass sich schnell auch auf Ihr Umfeld übertragen wird und schon werden Sie auf viele lächelnde Gesichter treffen.   

Dieser Effekt fällt unter das sogenannte “Mirroring”-Verhalten, also das Spiegeln. Was normalerweise auf natürlichem Wege in Unterhaltungen geschieht, wenn sich Personen miteinander verbunden fühlen, kann auch ein Stück weit absichtlich herbeigeführt werden. Wenn Personen einander in Mimik und Gestik reflektieren, erzeugt das Harmonie. Bricht dagegen jemand aus der Reihe, indem er beispielsweise in einer anregenden Unterhaltung den Kopf gelangweilt abstützt, so erzeugt er einen Widerspruch. Forscher der Stanford University fanden sogar heraus, dass übereinstimmende Körpersprache zwischen Teammitgliedern Anzeichen einer erhöhten Kreativität ist.

Wenn Sie also Ihre eigene Körpersprache in der Teamarbeit verbessern wollen, achten Sie auf die nonverbalen Signale, die Sie aussenden. Versuchen Sie, negative Botschaften zu vermeiden und üben Sie sich stattdessen in einem positiven, offenen Auftreten. Demonstrieren Sie Ihren Teammitgliedern Vertrauen, Offenheit und spiegeln Sie ab und an deren Haltung, um Ihr Interesse zu bestärken.

Und sollte all das nicht die gewünschten Effekte zeigen, so können wir Ihnen in unseren Teambuilding-Events und Power-Workshops gern mehr über die Körpersprache bei der Teamarbeit zeigen.  

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