Unzufriedenheit am Arbeitsplatz? So motivieren Sie Ihre Mitarbeiter

Die Unternehmens- und Strategieberatung Gallup erstellt jährlich anhand des eigens dafür entwickelten “Engagement Index” eine internationale Studie zur Arbeitsplatzqualität. Dabei werden viele Tausende Beschäftigte repräsentativ zu ihrer Arbeitssituation und dem Verhältnis zu ihrem Arbeitgeber befragt. Die Studie, die bereits seit 2001 stattfindet, erlaubt dadurch umfassende Erkenntnisse zur emotionalen Bindung von Mitarbeitern an ihr Unternehmen.

Die Ergebnisse Deutschlands sorgen dabei schon seit einigen Jahren für Entsetzen in den Chefetagen. Seit dem Jahr 2007 nahm die Zahl deutscher Arbeitnehmer, die innerlich schon gekündigt haben, rapide zu. Der bisherige Höchststand wurde 2012 erreicht, indem 24% – also fast ein Viertel aller Beschäftigten – angaben, keinerlei Bindung zu ihrem Unternehmen zu verspüren. Zwar sank diese Zahl in den darauffolgenden Jahren wieder minimal, jedoch sind die Resultate nach wie vor erschreckend: nahezu 70% aller Befragten leisten nur Vorschrift nach Dienst, um die 15% der Studienteilnehmer haben sich innerlich bereits komplett von ihrer Arbeit distanziert und nur ein viel zu kleiner Anteil von ca. 15% ist zufrieden und engagiert.

Die Liste der Folgen für den Arbeitgeber ist lang. Unmotivierte Mitarbeiter neigen tendenziell stärker dazu, ihr Potenzial nicht voll auszuschöpfen. Interne und externe Abläufe finden langsamer statt oder werden in extremeren Fällen sogar absichtlich blockiert. Darunter leidet wiederum das Arbeitsklima, was dann die eigentlich motivierten Mitarbeiter involviert und schlimmstenfalls auch deren Engagement mindert. Der Umsatz sinkt durch weniger Engagement im Vertrieb oder Kundenservice Von steigenden Krankschreibungen aufgrund der fehlenden Zufriedenheit am Arbeitsplatz ganz zu schweigen.

Ein in der Branche beliebter Begriff für solche unmotivierten Beschäftigten ist “Low Performer”. Und die Gesamtheit aller Low Performer in Deutschland kostet der Volkswirtschaft laut Gallup jährlich zwischen 80 und 105 Milliarden Euro. Summen, die man einsparen könnte.

Jedoch sollten Sie dabei nicht sofort an harte Maßnahmen wie Kündigungen denken, welche wenn überhaupt, nur als letzter Ausweg in Frage kommen sollten. Schließlich ist es laut zahlreichen Untersuchungen erwiesen, dass es für Unternehmen wesentlich rentabler ist, bestehende Mitarbeiter an sich zu binden, als stets neu einzustellen. Sprich: Unternehmen müssen etwas gegen die fehlende Motivation Ihrer Arbeiter unternehmen, um zu starke Fluktuation zu vermeiden. Denn mit jedem verlorenen Mitarbeiter verliert die Firma auch dessen Fähigkeiten.

Doch was verursacht diese Unzufriedenheit am Arbeitsplatz?

Experten sind sich einig, dass das Problem zumeist von den Unternehmen selbst ausgelöst wird. Bedenkt man, dass jeder einzelne Mitarbeiter zu Beginn seiner Karriere aus guten Gründen eingestellt wurde und motiviert zur Arbeit ging, so muss sich offensichtlich im Laufe seiner Arbeitszeit im Betrieb etwas verändert haben. Kein Arbeitnehmer ist per se ein Low Performer.

Eine der Hauptursachen ist demnach die Personalführung vieler Unternehmen. Hier scheitert es vor allem auf persönlicher Ebene durch mangelndes Feedback, fehlende Möglichkeiten der Weiterbildung oder persönlichen Entwicklung der Mitarbeiter oder gar am Vertrauensverhältnis zum Vorgesetzten.

Gerade Letztere, die Führungspersönlichkeiten, spielen eine Schlüsselrolle in der Mitarbeitermotivation. In den letzten Gallup-Studien gaben nahezu die Hälfte der Teilnehmer an, dass sie wegen eines direkten Vorgesetzten darüber nachgedacht hatten, ihr Unternehmen zu verlassen. Eine hohe Zahl, die dringenden Handlungsbedarf hinsichtlich der Führungsqualitäten von leitenden Mitarbeitern und Vorgesetzten aufzeigt.

Vor allem in größeren Unternehmen sind leitende Angestellte, Teamleiter und Vorgesetzte das Sprachrohr des Betriebs. Ihr Verhalten steht für das des Arbeitgebers – in guten wie in schlechten Aspekten. Fehlt es einer führenden Persönlichkeit an den nötigen Führungsfähigkeiten und Softskills, so kann dies das Vertrauensverhältnis des Mitarbeiters zum Arbeitgeber stören. Schafft es der Vorgesetzte hingegen, auf die Bedürfnisse all seiner Beschäftigten einzugehen, so sind beste Bedingungen für eine kontinuierliche Stärkung des Arbeitsverhältnisses geschaffen.
Erstes Mittel gegen unmotivierte Mitarbeiter ist also eine adäquate Auswahl und Ausbildung von Führungskräften in der Leitung des Personals. Kommt es dennoch vor, dass Arbeiter die Lust am Job verlieren und scheinbar nur noch physisch am Arbeitsplatz anwesend sind, so könnten die folgenden Tipps helfen:

Was können Sie gegen fehlende Motivation bei den Mitarbeitern unternehmen?

  • Ermitteln Sie den Grund für den Unmut des Mitarbeiters

Einer Ihrer Mitarbeiter schafft nicht mehr die gleiche Leistung wie früher, erledigt Aufgaben nur knapp vor Abgabetermin oder wirkt kaum engagiert? Dann ist oberstes Gebot die Kommunikation! Sobald Sie eine Veränderung in der Leistung oder Laune eines Kollegens bemerken, sollten Sie das Handeln nicht auf die lange Bank schieben. Sprechen Sie die Person in einem persönlichen und vertraulichen Gespräch direkt darauf an.
Hinterfragen Sie die Gründe für untypische Verhaltensweisen, um so besser darauf eingehen zu können. Gibt es vielleicht Probleme in der Kommunikation mit Kollegen, wird zu viel erwartet, sind die inneren Abläufe zu schleppend oder fehlt der Person eine Zukunftsperspektive? Ein Eingrenzen der Ursache aus einem schier unendlichen Katalog der Möglichkeiten wird Sie befähigen, Lösungen dafür zu suchen.

  • Klären Sie mit dem Mitarbeiter das weitere Vorgehen

Bezugnehmend auf die ermittelte Ursache können Sie gezielt aktiv werden. Zeigen Sie Ihrem Mitarbeiter, dass Sie gewillt sind, seine Arbeitssituation zu verbessern und dadurch auch das Verhältnis zum Arbeitgeber wieder zu stärken. Lassen Sie die Person an diesem Prozess teilhaben, um ihr Engagement zu verdeutlichen.

Gleichzeitig können Sie auch die Chance nutzen, Ihre Erwartungen an den Kollegen mitzuteilen. Fordern Sie freundlich, aber bestimmt mehr Einsatz und klären Sie die Rahmenbedingungen für die weitere Zusammenarbeit. Ein angemessener Zeitrahmen ist hier ein entscheidender Faktor, denn genauso wie der Verlust der Motivation nicht von einem Tag auf den anderen geschieht, so benötigt auch die Rückkehr zum Engagement für die Firma ihre Zeit.

  • Feedback, Feedback, Feedback

Man kann es gar nicht oft genug erwähnen: Fehlende Kommunikation und mangelndes Feedback sind das Öl im Feuer der Unzufriedenheit. Vor allem regelmäßige und qualitativ hochwertige Mitarbeitergespräche bilden eine unerlässliche Basis für den Erfolg und die Zufriedenheit eines Mitarbeiters. Dennoch lag zum Beispiel bei der Gallup-Studie die Zahl der Befragten, die innerhalb der letzten 12 Monate vor der Studie kein solches Gespräch mit ihrem Vorgesetzten hatten, bei über 40%.

Fehlt dem Beschäftigten Lob und Feedback, so fehlt gleichzeitig auch das Interesse an seiner Person und der Bezug zum Arbeitgeber. Von hier an ist es bis zur inneren Kündigung nicht weit. Dem kann durch regelmäßige Gespräche und Leistungsüberprüfungen entgegengewirkt werden. Zeigen Sie dem Mitarbeiter, wie wertvoll er für Sie ist und helfen Sie ihm, sich auf Arbeit wohl und geschätzt zu fühlen.

  • Anerkennung tut gut

Unabhängig, ob ein Mitarbeiter stets tolle Performance zeigt oder ob er nach einem Tief im Arbeitsverhältnis wieder mit neuem Ehrgeiz an Bord ist – Anerkennung ist wichtig. Neben dem bereits erwähnten Lob gibt es hierfür noch viele weitere Möglichkeiten. Belohnen Sie gute Leistungen mit entsprechenden Bonifikationen, kleinen Geschenken, Firmenvergünstigungen, besseren Arbeitsbedingungen, der Übertragung von mehr Verantwortung oder ganz einfach mit einer leckeren Pizza in der Mittagspause.
Eine indirekte Form der Anerkennung ist zudem das respektvolle Verhalten gegenüber ihren Mitarbeitern. Behandeln Sie sie fair und auf Augenhöhe und Sie werden bemerken, wie sich das Vertrauensverhältnis zu Ihnen positiv verändern wird. Seien Sie transparent hinsichtlich Ihrer Entscheidungen und scheuen Sie sich nicht, sich an Ihre Mitarbeiter als Experten für ihr jeweiliges Aufgabengebiet zu wenden.

  • Ablenkung muss sein

Ein großer Motivationsschub ist ein Ausbruch aus dem Arbeitsalltag. Bieten Sie Ihren Mitarbeitern ein besonderes Erlebnis. Sei es zum Beispiel eine außerordentliche Betriebsfeier oder gar das Zelebrieren aller möglichen Anlässe von Weihnachten bis zum Geburtstag jedes Teammitgliedes. Oder entführen Sie Ihre Arbeiter auf ein Firmenevent oder zum Teambuilding. Gerade die letztere Option eignet sich hervorragend, um auf unterhaltsame Weise die Routine zu unterbrechen und die Zusammenarbeit zu stärken.

  • Bieten Sie eine Perspektive

Nichts ist so ermüdend und demotivierend wie eine fehlende Perspektive. Häufig sind mangelnde Entwicklungsmöglichkeiten für Mitarbeiter ein Grund, ein Unternehmen zu verlassen. Vermeiden Sie dies, indem Sie ihren Arbeitern sowohl Ziele für die Zukunft setzen, als auch entsprechende Perspektiven bieten. Das kann ein personeller Aufstieg sein, das Übertragen von mehr Verantwortung oder Weiterbildungsmöglichkeiten, die mit einer Erweiterung des Tätigkeitsfeldes einhergehen. Zeigen Sie Ihrem Team, dass sich die Arbeit für Sie auch in Zukunft noch lohnen wird und Langeweile am Arbeitsplatz ein Fremdwort bleibt.

  • Seien Sie ein Team

Für viele Mitarbeiter ist eine angenehme Arbeitsatmosphäre und eine gute Zusammenarbeit mit den Kollegen wichtig. Fördern Sie deshalb die Teamarbeit. Die Kluft zwischen motivierten und weniger motivierten Arbeitern kann so leichter überwunden werden.

Stärken Sie das Zusammengehörigkeitsgefühl Ihrer Mitarbeiter und festigen Sie so gleichzeitig auch das Zugehörigkeitsgefühl der Mitarbeiter zum Unternehmen. Wichtig ist außerdem, dass der Vorgesetzte ein gleichberechtigter Teil des Teams ist und nicht nur unbeteiligter Außenstehender, der nur “von oben herab” agiert. Schmälern Sie die Distanz zum Betrieb und der Unmut schmälert sich ebenso.

Mit motivierten Mitarbeitern zum Erfolg

Sie sehen, die Motivation von Mitarbeitern ist kein Hexenwerk, sondern das Ergebnis einer aufmerksamen und guten Personalführung. Sicher mögen die oben benannten und andere Maßnahmen zur Mitarbeitermotivation nicht in jedem einzelnen Fall von Erfolg gekrönt sein. In wenigen Situationen ist ein Auflösen des Arbeitsverhältnisses sogar unumgänglich. Dennoch kann in vielen Fällen ein adäquates Führungsverhalten einer inneren Kündigung bei Arbeitnehmern vorbeugen.

Schaffen Sie optimale Bedingungen für Ihre Arbeiter und beschreiten Sie gemeinsam mit ihnen den Weg zum Erfolg. Denn fest steht: wer motivierte Arbeiter in seinem Unternehmen weiß, der hat im Kampf um Umsatz immer den entscheidenden Vorteil.

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